Martin Sprenger/ Public Health Graz – Und weil ich gerade so in Fahrt bin habe ich

Martin Sprenger/ Public Health Graz – Und weil ich gerade so in Fahrt bin habe ich noch einen Leserbrief an den Falter, Presse und Standard geschickt.

Einzigartig

Österreich war und ist in vielen Belangen des Pandemiemanagements ein europäischer Geisterfahrer. Mit Sicherheit einzigartig war die im Parlament beschlossene allgemeine Impfpflicht, deren Scheitern auch heute noch von den Medien als Beispiel für Wissenschaftsfeindlichkeit verwendet wird. Dabei war genau das Gegenteil der Fall. Die Kritik an und die Ablehnung der Impfpflicht war immer wissensbasiert. Vier „Lockdowns“ hatte kaum ein europäisches Land und einzigartig in Europa war der wochenlange soziale Ausschluss von Menschen die die Kriterien des grünen Passes nicht erfüllten. Das war eine Menschen- und Grundrechtsverletzung, ohne jeglichen epidemiologischen Nutzen, vollkommen unwissenschaftlich. Auch beim Testen ist Österreich Europameister, wenn man vom kleinen Zypern absieht. Dabei wurden hierzulande nicht einmal alle Tests offiziell erfasst. Eine FFP2 Maskenpflicht gab es auch nur in drei EU-Ländern. Auch bei den Schulschließungen und dem eingeschränkten Schul- und Kindergartenbetrieb liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld und beim Testen im Bildungsbereich ist Österreich vielleicht sogar Weltmeister. Ein Land, in dem Schülerinnen und Schüler bei der Sportausübung verpflichtet wurden eine FFP2 Maske zu tragen kann man ebenfalls lange suchen. Es gäbe noch viele weitere Beispiele.

Einzigartigkeit bedarf immer einer besonderen Begründung. Die damit verbundenen erwünschten UND unerwünschten Effekte müssen immer mit Zahlen, Daten und Fakten belegt werden. Ansonsten ist es reine Willkür, basierend auf Glauben, politischem Kalkül, Irrationalität und/oder Ängsten. In keinem EU-27 Land war der Vertrauensverlust zwischen dem Frühjahr 2020 und Frühjahr 2021 größer als in Österreich. Warum wohl? Dass die österreichischen Medien diese Einzigartigkeiten nicht ständig thematisieren, differenziert und kritisch hinterfragen, ist ebenfalls einzigartig.

Einzigartig ist die von vielen Wissenschaftler*innen oft und ständig kritisierte fehlende Datenbasis und die damit verbundene unvollständige und verzerrte Kommunikation mit der Bevölkerung. Einzigartig sind auch die nicht offengelegten und nicht öffentlichen Interessenskonflikte, sowohl in der Wissenschaft, aber auch in den Beiräten und Kommissionen. Aber auch die nicht öffentlich gemachten Verbindungen zwischen Testanbietern, Pharmafirmen und anderen gewinnorientierten Unternehmen mit der Politik, der Wissenschaft und den Medien.

Österreich geht diesen Weg der Einzigartigkeit im Pandemiemanagement weiter. Konsequent und unreflektiert. Erstaunlich.

Mit freundlichen Grüßen – Martin Sprenger
Arzt und Gesundheitswissenschaftler, Graz

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